Trottoir
Das Angebot "Le Trottoir-Hilfe für Prostituierte" ist in zwei Containern am Straßenstrich untergebracht, der sich in der Nähe des DHZ aber außerhalb des Wohngebiets befindet. Der Standort für Prostituierte aus dem Drogenmilieu wurde explizit von der Ende 2006 zuletzt geänderten saarländischen Sperrgebietsverordnung ausgenommen, die ansonsten eine Erweiterung des Saarbrücker Sperrgebiets vorsah. Der Straßenstrich kann an allen Tagen im Jahr rund um die Uhr zur Anbahnung von Prostitutionsgeschäften genutzt werden.
Öffnungszeiten "Le Trottir-Hilfe für Prostituierte":
Montag bis Samstag: 19.30 - 23.30 Uhr
Mittwoch: 16.00 - 23.30 Uhr
an Feiertagen: 17.30 - 21.30 Uhr, an stillen Feiertagen geschlossen.
Hintergrund
Die Prostitution ist eine der häufigsten Drogenfinanzierungsmethoden süchtiger Frauen.
Bis Ende 2006 knüpften Beschaffungsprostituierte in Saarbrücken ihre Kundenkontakte auf der Eisenbahnbrücke in unmittelbarer Nähe des Drogenhilfezentrums (DHZ). Dort verlief die Grenze des damaligen Sperrgebiets.
Die Menschen, die in der Nähe von DHZ und Straßenstrich wohnten, erlebten das Prostitutionsgeschehen als massive Störung und fühlten sich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt (Belästigung weiblicher Nachbarn durch Prostitutionskunden, starker Straßenverkehr).
Die Frauen auf dem Straßenstrich waren -ob im Entzug oder unter starkem Drogeneinfluss stehend- sich selbst überlassen. Solidarisches Verhalten gab es kaum. Persönliche Animositäten und Konkurrenzdruck unter den Frauen sowie polizeiliche Repression im direkten Umfeld des DHZ führten zu Vereinzelung. Belastend kam hinzu, dass sich sporadisch Zuhälterstrukturen aus dem Drogenmilieu konstituierten, die mit Erpressung, Raub und körperlichen Übergriffen einhergingen. Die Beschaffungsprostituierten litten unter den Arbeitsbedingungen, die beschriebenen Umstände verunsicherten sie und wirkten sich negativ auf das Treffen und Durchsetzen geschäftlicher Vereinbarungen mit Kunden und auf das eigene Sicherheitsmanagement aus.
Um den Bedürfnissen beider Interessengruppen gerecht zu werden, wurde das Angebot "Le Trottoir -Hilfen für Prostituierte“ konzipiert und bei gleichzeitiger Erweiterung des Sperrbezirks durch Veränderung der saarländischen Sperrbezirksverordnung im Januar 2007 eröffnet. Die Konzeptionierung des Projekts als Außenprojekt der DHZ gGmbH und seine Implementierung verdanken sich der Kooperation von Vertretern des MiJAGS (Ministerium für Justiz, Arbeit, Gesundheit und Soziales), der Stadt Saarbrücken, des Regionalverbands Saarbrücken, der Polizei und des DHZ . Basis aller Überlegungen ist die Überzeugung, dass Prostitution und Drogengebrauch als gesellschaftliche Realitäten durch Repression nicht zu verhindern sind.
Die Zielgruppe
Durch den Konsum illegaler Drogen und durch die öffentlich erkennbare Prostitutionstätigkeit sind Beschaffungsprostituierte in besonderem Maße von Stigmatisierung, Marginalisierung und Illegalität betroffen.
Innerhalb von Drogen- und Rotlichtmilieu sind Drogenprostituierte auf
der untersten Stufe der szeneinternen Hierarchie angesiedelt. Scham- und
Schuldgefühle sowie ein geringes Selbstwertgefühl kennzeichnen das
Innenleben der betroffenen Frauen. Gewalterfahrungen und Abwertung
sind alltäglich in ihrer Lebensrealität.
Beschaffungsprostituierte konsumieren Drogen und Alkohol in hohen
Dosierungen, da die Prostitution das Bedürfnis des „Wegdrückens“, des
„Nichts-mehr-fühlen-Wollens“ verstärkt. Dieses Konsumverhalten macht die Frauen zu potentiellen Opfern: bedingt durch massive Intoxikationen oder Entzugserscheinungen sind sie nicht mehr in der Lage, dem Prostitutionskunden gegenüber ihre geschäftlichen Bedingungen durchzusetzen. Das kann dazu führen, dass sie sich
auf den Verzicht von Kondomen oder auf gefährliche Sexualpraktiken
einlassen, oder dass sie Opfer von Raub und (sexualisierter) Gewalt
werden.
Übergriffe werden häufig nicht angezeigt, weil die Frauen als Konsumentinnen
illegaler Drogen und als illegale Prostituierte (bei Ausübung der Prostitution
im Sperrgebiet) der Polizei i.d.R. als Täter begegnen und das Verhältnis
entsprechend gefärbt ist.
Prostitution und Konsum liegen zeitlich nahe beieinander. Die Akzeptanz der Frauen für den Standort und das Projekt steht und fällt mit der fußläufigen Erreichbarkeit von DHZ und Szene.
Ziele:
"Le Trottoir" hat das Ziel, die gesundheitlich gefährdete Risikogruppe Beschaffungsprostituierter zu erreichen und zu binden, um Überlebens- und Ausstiegshilfe leisten zu können.
Im Einzelnen heißt das:
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Förderung des Gesundheitsbewusstseins und gesundheitliche Stabilisierung
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Verhinderung von Krankheitsübertragung
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Stabilisierung der psychischen Konstitution
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Existenzsicherung (Nutzung des Hilfesystems, praktische Überlebenshilfen)
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Förderung von Solidarität
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Professionalisierung und Entwicklung von Selbstsicherheit
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Entwicklung alternativer Lebenskonzepte
Ziel des "Le Trottoir" ist darüber hinaus die Entlastung des DHZ Umfeldes durch die Auslagerung des Prostitutionsgeschehens aus dem Wohngebiets.
Die Angebote
Die DHZ Saarbrücken gGmbH stellt Container mit Schutz- und Schoncharakter, personalisiert mit einer hauptamtlichen Mitarbeiterin aus dem Sozial- und Krankenpflegedienst des DHZ sowie einer Honorarkraft bereit. Der Container beinhaltet einen allgemeinen Aufenthaltsraum, ein Büro zur Einzelberatung und sanitäre Anlagen.
Um die Grundversorgung der Nutzerinnen sicherzustellen, werden sanitäre Anlagen (Toilette und Dusche) bereitgestellt sowie Lebensmittel und Getränke zum Selbstkostenpreis ausgegeben.
Angebote mit präventivem Ansatz sind die kostenlose Ausgabe von Kondomen, Verteilen von Informationsbroschüren und
5.2. Sozialarbeiterische und -pädagogische Angebote:
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Soziale Gruppenangebote zur Information und zur Förderung der Solidarität untereinander, auch in Kooperation mit z.B. dem Frauennotruf Saarbrücken e.V., pro familia e.V. oder der Hurenselbsthilfe Saarbrücken e.V..
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Einzelfallhilfen:
Sozialberatung
Gesundheitsberatung
Ausstiegsberatung
Krisenintervention
Prozessbegleitung
Begleitende und aufsuchende Hilfen, nachgehende Sozialarbeit
Vermittlung ins DHZ und andere Institutionen
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Streetwork im Umfeld des Straßenstrichs
5.3. Prävention
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Bereitstellung von Präventionsmitteln (kostenlose Kondome, Verkauf von Gleitcreme zum Selbstkostenpreis)
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Verteilen von Informationsbroschüren
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Safer Sex und Safer Use Beratung, Beratung i.S. der STD- und HIV-Prävention
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Freierarbeit: Einflussnahme auf deren Gesundheitsbewusstsein und deren Haltung gegenüber den Prostituierten (n.n.)









